Kultur- und literaturwissenschaftliche Begriffsbestimmung

Nbsp; Projektarbeit   «Freundschaft»                                                                                                                                                                Hat erfüllt:                                                                                             Belaly D.                                                                                            Hat geprüft:   Freundschaft bezeichnet eine positive Beziehung und Empfindung zwischen Menschen,Freundschaft bezeichnet eine positive Beziehung und Empfindung zwischen Menschen, die sich als Sympathie und Vertrauen zwischen ihnen zeigt. Die in einer freundschaftlichen Beziehung zueinander stehenden Menschen bezeichnet man als Freundinnen bzw. Freunde. In einer Freundschaft schatzen und mogen die befreundeten Menschen einander. Freundschaft beruht auf Zuneigung, Vertrauen und gegenseitiger Wertschatzung. Im ubertragenen Sinne bezeichnet „Freundschaft“ ein gutes und oft vertraglich geregeltes politisches Verhaltnis zwischen Volkern oder Nationen (siehe z. B. Deutsch-franzosische Freundschaft).   

Wortgeschichte

Bis ins 16./17. Jh. wurde im Deutschen sprachlich nicht zwischen erworbener und angeborener Freundschaft unterschieden, so dass „Freundschaft“ und „Verwandtschaft“ synonym gebraucht werden konnten. Auch in vielen Dialekten ist die Bedeutung „Freund“ = „Verwandter“ bis in die Gegenwart durchaus ublich, weswegen die ursprungliche Bedeutung des Wortes „Blutsfreundschaft“ ebenfalls „Verwandtschaft“ bedeutet.

Soziologische Begriffsbestimmungen und Erorterungen

In der Soziologie hat Ferdinand Tonnies Freundschaft als „Gemeinschaft des Geistes“ kategorisiert (Gemeinschaft und Gesellschaft, 1. Buch, § 6). Auch gibt es einige wissenschaftliche Untersuchungen zum Verhalten innerhalb einer Freundschaft. So streiten enge Freunde mehr als lediglich miteinander bekannte Personen. Den Grund dafur sehen von Psychologen und Soziologen darin, dass sich enge Freunde einander sicher sind und daher nicht ubervorsichtig agieren mussen. Au?erdem haben sie mehr Kontakt zueinander, d.h. mehr Reibungsflache.

Georg Simmel beschreibt in „Soziologie der Freundschaft“ die Freundschaft als differenzierte Freundschaft. Im Gegensatz zu Aristoteles sieht er Freundschaft als graduelles Phanomen. Freundschaft fangt fur ihn in dem Moment an, in dem sich zwei Menschen kennenlernen, also um ihre gegenseitige Existenz wissen. Von dieser Basis aus konnen die beiden verschieden weit in die „Sphare“ des anderen eindringen. Die Tiefe und der Umfang des Eindringens hangen ab von dem ab, was man preisgeben will;, diese Grenze ist in der Freundschaft bekannt – der andere wird sie nicht einfach uberschreiten. (Beispiel: Mit den Fu?ballkumpels spricht man uber Fu?ball. Eheprobleme anzusprechen, ware eine Grenzuberschreitung). Simmel bezeichnet das, was jenseits dieser Grenze liegt, als „Reserve“ – das ist positiv und negativ gemeint: man gibt etwas von sich nicht preis; da ist noch etwas, was man der Freundschaft hinzugeben konnte: man konnte die Freundschaft auch auf andere Dinge ausweiten und so vertiefen.

Einen Sonderfall der Freundschaft sieht Simmel in der Ehe: Das hangt zum einen damit zusammen, dass die Ehe ihren Charakter gewandelt hat. War bei Montaigne die Ehe noch ein Handel, so ist die Ehe in der Moderne eher von Liebe gekennzeichnet. Wenn die Ehe also eine Liebesbeziehung ist, so wirkt ein freundschaftliches Element. Simmel warnt davor, die Ehe als sofortige und umfassende Offnung der Partner zu verstehen. Er sieht den Wert einer Ehe vielmehr in dem Prozess der fortschreitenden freiwilligen Vertiefung der Freundschaft. Wertvoll sind sowohl die geteilten Dinge als auch die Dinge, die man dem Partner (noch) nicht mitteilen will oder kann. Dazu kommt, dass man sich selbst uber viele Dinge nicht so im Klaren ist, dass man sie sich selbst uberhaupt mitteilen konnte oder wollte. Dieser „blinde Fleck“ in der Beziehung zu sich selbst ware potenziell enttauschend fur eine Ehe, die auf komplette Offnung ausgelegt ist.

Beachtenswert ist ferner, dass „Freundschaft“ soziostrukturell im Rahmen sozialer Rollen angebahnt worden sein kann. Beispiele dafur sind auf dem Dorf, dass eher noch als einzelne Menschen die Hofe als miteinander befreundet gelten, sodann, dass Freundschaften der Eltern unter deren Kindern weitergefuhrt werden, und dass Nachbarschaft und Schulklassenkameradschaft lebenslange Freundschaften („Kinderfreundschaften“) stiften konnen.

Kultur- und literaturwissenschaftliche Begriffsbestimmung

„Freundschaft“ ist nicht nur individuell, sondern auch kulturell geformt. Ein Deutscher definiert in der Regel nur wenige seiner Mitmenschen als Freunde. Ein Nordamerikaner dagegen gewinnt im Laufe seines Lebens immer mehr Freunde. Hier wird eine gute Bekanntschaft meist schon als Freundschaft bezeichnet, im Gegensatz zu der oft tiefgehenden und langfristigen Beziehung, die in Deutschland meist fur „Freundschaft“ steht. Kommunikation ist ein wichtiger Teil der Freundschaft; neben der personlichen Begegnung gehoren dazu Telefongesprache und alle Formen schriftlicher Kommunikation.

Die Grundlagen fur unterschiedliche Freundschaftskonzepte liegen u. a. in literarischen Traditionen und in den realen Lebensbedingungen, die sich von Kultur zu Kultur oft stark unterscheiden. So ist der Freundschaftsbegriff in Deutschland und Frankreich z. B. vom literarischen Freundschaftskult des 18. Jahrhunderts (z. B. dem Gottinger Hain) gepragt, der den Ubergang von der Zwangsbindung ans Geburtsmilieu zur freien Wahl des sozialen Umfelds (Freunde, Sexualpartner) nach dem Prinzip der „Seelenverwandtschaft“ markiert. Bei Personen, die raumlich voneinander getrennt leben mussten, war hier das wechselseitige Schreiben von Briefen ein wichtiges Mittel zur Pflege von Freundschaft. In Nordamerika, wo ein solches Konzept der Freundschaft kulturgeschichtlich weniger verwurzelt ist, spielt die extrem hohe raumliche und soziale Mobilitat der Bevolkerung – v. a. in den hoheren sozialen Schichten – eine Rolle. Die Fahigkeit, in einer neuen Umgebung schnell Kontakte zu schlie?en und Anschluss zu finden, wird hier als sehr viel wichtiger erachtet als die Pflege „tiefer“ Beziehungen, die in Einwanderungslandern wie den USA weitaus starker als in Europa der Familie vorbehalten ist.


Дата добавления: 2018-02-15; просмотров: 214; ЗАКАЗАТЬ РАБОТУ